Roger Waters The Wall – Live in Düsseldorf

Einen guten Tag an meine Leserschaft und willkommen zu meinem Roger Waters The Wall – Live in Düsseldorf Konzertbericht.

Heute melde ich mich mal nicht in Sachen Salsa bei euch :-)

Roger Waters The Wall – Live in Düsseldorf: Vorbereitungen

Seit sehr genau einem Jahr hängt die Karte bei mir an der Wand und mit entsprechender Vorfreude ging mit einem Arbeitskollegen nach Düsseldorf in die Esprit Arena um sich THE WALL einmal live anzuschauen. Bereits im Vorfeld sickerte die Information durch, dass man die Karten restlos verkauft hatte und man musste sich doch durch die ein oder andere Menschenmasse wühlen, bis man den Sitzplatz erreicht hatte.

Roger Waters The Wall – Live in Düsseldorf: Das Konzert Teil 1

Die Mauer war aufgebaut und in der Mitte klaffte ein riesiges Loch, wo sich wohl bald die Band aufhalten würde. Tosender Applaus, als das Licht ausging und der Star des Abends (Ex Pink Floyd Frontmann Roger Waters) die Bühne betrat um uns 2 Stunden lang mit seinem Lebenswerk zu unterhalten. Die Mauer hatte die gesamte Länge des Fußball Feldes eingenommen und es ging direkt bei der  Eröffnung „In the flesh“ und  „The thin ice“ zur Sache. Fotos von Menschen wurden eingeblendet und im Anschluss daran die entsprechenden Todesanzeigen. Teilweise Männer deutlich unter 20 waren dabei und die Anzeigen riefen zum Nachdenken auf.

  • Unit : Fire Fighter. Died : New York 2001
  • Unit : US Air force. Died : Normandy 1944
  • Unit : Deutsche Wehrmacht (So stand es da tatsächlich) Died : Stalingrad 1942
  • Unit : France Infantry, Died : Verdun 1916

usw usw. Teilweise halbe Kinder und alle früh gestorben. Wäre die Musik ausgegangen, hätte man wohl die berühmte Stecknadel fallen hören können und man konnte die Augen nicht von der Leinwand lassen. Die „Another brick in the Wall“ Lieder wurden wie man es kannte mit „Daddy´s gone cross the ocean“ eingeleitet und während des gesamten Liedes wurde ein Ozean auf die Mauer geworfen, der allerdings die Farbe von Blut hatte. Der Schlachtruf der Generation Golf „Wir brauchen keine Erziehung – Wir brauchen keine Gedankenkontrolle“ wurde von einem Kinderchor auf die Bühne gebracht und man ließ uns keine Zeit zum Durchatmen. Männer in Uniformen und die gerade für das deutsche Publikum etwas vorbelasteten rotweißen Flaggen mit den überkreuzten Hämmern ließen nicht lang auf sich warten.110618-TheWall-flyer

Roger Waters The Wall – Live in Düsseldorf: Das Konzert Teil 2

Zu „Mother“ kamen die obligatorischen Bombergeschwader auf die Leinwand, die allerdings keine Bomben abwarfen, sondern die Symbole zahlreicher weltbekannter Konzerne. Das „gelbe M“ war dabei und die kleinen Sterne, die die ein oder andere Motorhaube verzieren. Hammer und Sichel waren dabei, und als sie den Boden berührten, sind sie nicht explodiert, sondern haben die Städte unter sich begraben. Auf der rechten Seite der Mauer wurde der Schriftzug „No fucking way“ eingeblendet, der allerdings sehr langsam erschien. Auf der linken Seite der Wand hatte man sich zu dem etwas jungenfreieren Schriftzug „Auf keinen Fall“ hinreißen lassen.

Beim Publikum war die Botschaft angekommen. Anno 2011 hat mal halt nicht mehr die die 1979er THE WALL Kernaussage eines vom Leben deprimierten Einzelgängers der sich in Traumwelten flüchtet vor Augen. Hier ging es um das große Ganze. Die Stille während der Lieder war bedrückend und der Applaus danach ohrenbetäubend. Nach „Goodbye cruel world“ erlöste uns nach ca. einer Stunde eine kleine Pause und die kühle Düsseldorfer Luft ließ uns für einige Minuten zur Ruhe kommen.

Roger Waters The Wall – Live in Düsseldorf: Das Konzert Teil 3

„Hey you“ und „Anybody out there“ dürften sowohl für uns als auch für die Band etwas anstrengend gewesen sein. Die Mauer war in der 1. Halbzeit komplett aufgebaut worden und trennte nun die Band von dem Publikum. Über uns kreiste ein riesiges schwarzes Schwein mit leuchtenden Augen. „Trust us“ war auf dem Körper geschrieben und die selben Symbole, die vorher von den Flugzeugen abgeworfen wurden.

Plötzlich öffnete sich eine kleine Luke in der Mauer und ein kleines Wohnzimmer war eingerichtet. Roger Waters saß vor dem Fernseher und gab seine Ode an die Suizidgefährdeten zum Besten. „Nobody home.“ Neben „Comfortably Numb“ das Lied, bei dem ich mich mal als 100% ig textsicher bezeichnen würde. Zeilen von Verwahrlosung, geistigem Zerfall und körperlichem Abbau. „I’ve got wild staring eyes – And I’ve got a strong urge to fly, but I got nowhere to fly to.“ Das alles aus einem kleinen Loch in der Mauer zum Besten geben. Ein Sänger in Selbstmitleid zerflossen und das Publikum kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Was will man mehr :-)

Roger Waters The Wall – Live in Düsseldorf: Das Konzert Teil 4

Inzwischen hatte sich die Band VOR der Mauer versammelt und es wurde Zeit für den 2. Höhepunkt des Abends „Comfortably numb“ wurde wieder mit gewaltiger Gesellschaftskritik untermalt. Politiker erschienen auf der Leinwand. Es wurden immer mehr und irgendwann bekam vor lauter Information gar nichts mehr mit. Halt „Run like hell“ :-)

Den Abschluss bildeten die klassischen Lieder aus der Studio CD. „Waiting for the Worms“. „The trial“ und Co wurden von den bekannten Zeichentrick Videos aus dem Film unterlegt bis dann die Mauer nach ca. 2 Stunden Seelen Striptease einstürzte und „Outside the Wall“ als letztes Lied zwischen den Trümmern gespielt wurde.110618-TheWall-flyer

Roger Waters The Wall – Live in Düsseldorf: Fazit

Was soll man dazu noch sagen ? Der Alan Parker Film „The Wall“ dürfte wohl zum Allgemeinwissen gehören und bekannt sein. Für The Wall 2011 wurde die Aussage abgeändert. Kriege sind im neuen Jahrtausend in der Konsum- und Internetgesellschaft nicht mehr die einzige Gefahr und Roger Waters hat seiner „This is the Story of Pink“ Rockoper einen sehr modernen Anstrich verpasst. Eine seiner Ansagen im Konzert haben wohl eine Live DVD in Aussicht gestellt und da bahnt sich wohl nicht nur bei mir ein Pflichtkauf an. An alle Kenner der 1979 Ausgabe die Empfehlung sich die alten Lieder im neuen Gewand auf jeden Fall noch einmal anzuschauen. Es gibt viel Neues zu entdecken.

Alles in allem ein sehr kostspieliger Abend, der sich auf jeden Fall gelohnt hat und noch lange nachwirken wird.

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