Eine kleine Anmerkung in eigener Sache : Ich
habe mir viele Gedanken gemacht ob es Sinn macht für jeden
Tag einen separaten Bericht zu erstellen. Das hätte für
Euch ein Herumnavigieren in den Menüs zur Folge gehabt.
Ich habe mich daher für die fett gedruckten Überschriften
entschieden. Wer nicht alleslesen möchte kann also einfach
nach unten blättern :-)
Hallo liebe Salsafans.
Ich hatte mir zwar eigentlich vorgenommen
mich erst am Samstag zu melden und vom Freitag zu berichten,
aber die aktuellen Ereignisse im vereinten Europa machen
wohl eine kleine Bestandsaufnahme notwendig.
Ich habe dieses Mal keineKosten und Mühen
gescheut und meine potenzielle Kurs-Partnerin zu einem Pizzaschmaus
ins Café Prütt eingeladen um mit ihr die Kurse zu besprech
en. Mir war es diese Mal sehr wichtig nicht die gefühlte
20′000 Salsafigur zu erlernen sondern einfach mal bewusst
Neuland zu betreten. Hier wurde ich bei Zouk und Bachata
fündig und meine, mutmaßlich durch die Peperoni im griechischen
Salat gefügig gemachte Partnerin, hat alles schön brav abgesegnet.
Das nenne ich Glück denn wir wissen wohl beide nicht was
uns dort ganz genau erwartet. Es kann also losgehen und
mit großer Vorfreude geht es also dem Freitag Nachmittag
entgegen wo bereits der 1. Zouk Kurs stattfinden soll. Zu
diesem Tanz habe ich bis auf einige Darbietungen auf der
Zuschauertribüne in den Niederlanden noch keinen Kontakt
gehabt und ich bin mal gespannt wie wir uns da so schlagen
werden.
UND NUN DAS !!!
2 Schlagzeilen beherrschen die aktuelle Tagespresse
:
Ausgerechnet das konservative „Focus Online“
ist über seinen eigenen Schatten gesprungen und meldet 4
gefallene(!) Soldaten in Afghanistan während alle andern
Zeitungen noch von bedauerlichen Sportunfällen reden. Das
gehört zwar nicht in einen Salsabericht, sollte aber in
diesem kleinen Nebensatz erwähnt werden. Weit verheerender
für uns ist da die 2. Schlagzeile wo im klein Gedruckten
das etwas sperrige Wort „Eyjafjallajokull“ auftaucht. Die
informationshungrige Leserschaft weiß also seit einigen
Stunden, dass dies ein Vulkan auf Island ist, der das kommende
Wochenende gehörig durcheinander wirbeln wird. Das Mi..tding
ist ausgebrochen und die Staubwolke verhindert europaweit
den Flughafenverkehr. Dies soll mich alles nicht stören,
da mein Auto ja mit einer 8 € teuren „Feinstaubplakette
der Klasse 4“ gesegnet ist und mich somit ein Vulkanausbruch
kaum vom abendlichen Vergnügen abbringen wird.
Was hat das alles mit einer Salsaparty in
Münster zu tun werden sich nun viele fragen !
Nun ja, die Veranstalter halten uns über Facebook
bereits seit Stunden sehr aktuell auf dem Laufenden welche
der Lehrer und Künstler wo feststecken weil der ein oder
andere Flug nicht starten kann. Das kann ja was geben Heute
Abend und ich lasse mich mal überraschen. Es bleibt zu hoffen,
dass wenigstens der Unterrichtsplan soweit eingehalten werden
kann, dass die angekündigten Kurse bei anderen Lehrern stattfinden
können. Ich werde an dieser Stelle mal einfach die große
Europa Bühne verlassen und weiter vor der eigenen Haustüre
kehren.
Eine Gastsalsera aus Hannover hat sich hier
bei mir noch angekündigt und ich habe doch einige Zeit damit
verbracht meine Wohnung „übernachtungstauglich“ zu machen.
Die LesER hier verstehen da sicherlich die leicht augenzwinkernde
Bemerkung, dass dies nicht nur einen vollen Kühlschrank
und einen gemähten Rasen bedeutet. Weiterhin wurde ich von
besagter Dame noch gebeten einige Parkplätze im Umkreis
des „Uferlos“ ausfindig zu machen für den zu erwartenden
Fall, dass sie vor dem Lokal nichts finden würde. Ihr seht
also : Hier ist von Langeweile keine Spur und ich konnte
mit meiner Ortskenntnis hier bereits mächtig Punkte sammeln.
Mal schauen. Vielleicht melde ich mich in der späten Nacht
noch auf ein paar Zeilen hier und kann hoffentlich berichten,
dass die Anreiseprobleme der Kurslehrer noch in den Griff
bekommen werden konnten.
Viele von Euch sehe ich hoffentlich nachher
auf das ein oder andere Tänzchen. Ich schlage mal vor dass
wir uns die Laune einfach nicht verderben lassen und nachher
im Uferlos eine Menge Staub aufwirbeln.
Soo die erste Nacht ist vollbracht und es
ist an der Zeit ein kleines Resümee zu ziehen. Meine Partnerin
war von dem griechischen Salat offensichtlich noch so benommen,
dass sie mich pünktlich zum 1. Kurs direkt versetzt hat
(kleines Missverständnis bei der Workshopplanung :-( ) und
ich konnte nach der Aufforderung „Paarweise zusammen“ durch
die Halle sprinten um mir DIE EINZIGE !! Frau ohne Partner
zu schnappen. „Bachata – Sexy Moves“ bei Saul Aidara waren
angesagt und die Tatsache, daß ich hier mit einer völlig
fremden Frau auf Tuchfühlung gegangen bin war irgendwie
schnell vergessen. Wir habe uns in dem Kurs seehr gut geschlagen
und das „Schmieg Dich an mich“ Thema wurde sehr geschmeidig
angegangen. Oooooch war das schön :-) Selbstredend habe
ich mir die Gute selbstverständlich am Abend auch noch auf
2 Salsaliedchen geschnappt.
Nach dem Bachata trat der Salsa-Festival-SuperGAU
ein. : Mein Schuhband war gerissen und ich konnte den nachfolgenden
Zouk Kurs auf keinen Fall in den Wanderschuhen antreten
mit denen ich mich auf das Rad geschwungen hatte. Also ab
in die Innenstadt wo ich 40 min Zeit hatte um mir Senkel
zu besorgen. Liebe Leserschaft ! Ihr macht euch kein Bild
wie viele Geschäfte zwar Schuhe aber keine Bänder im Angebot
haben. In der Münsteraner Einkaufszone wurde ich dann von
meiner Partnerin (die den griechischen Salat offensichtlich
inzwischen verdaut hatte) fündig und es ging im Schweinsgalopp
zum Zouk zurück. Auch musikalisch wurde in diesem Kurs Neuland
betreten. Hier musste der R&B Blues Klassiker „Seven
Seconds“ von Neneh Cherry und Youssou N’Dour herhalten sowie
eine stark modifizierte Version von Coldplay’s „Clocks“
Dieses Lied hat mit seinem hochgradig melancholischen Klavierintro
das Zeug zum „Evergreen“. Es ging ganz langsam los und wir
haben die ersten 10 Minuten damit verbracht im Kreis herumzugehen
und den Grundschritt zu üben. Danach wurden uns dann 2 kleine
Figuren gezeigt und ich darf behaupten, dass hier von Sam
Ganon und Partnerin (Beide waren mir aus der Nyx mit Salsa
Party in Bonn persönlich bekannt) ein sehr guter Einblick
in die Welt des Zouk geboten wurde
Abends wurden dann gegen Mitternacht die Auftritte
ein einem separaten Raum geboten und der Veranstalter hat
sich nochmals öffentlich für die sehr kurzfristigen Änderungen
wegen unserem Feuer und Asche spukenden Freund auf Island
entschuldigt. Hier ist mir auch im kleinen Rahmen nicht
ein Klagen zu Ohren gekommen und es darf behauptet werden,
dass die Salsagemeinde aus diesem Problem sehr kulant und
wohlwollend das Beste gemacht hat. Neben den Auftritten
war der heimliche Höhepunkt ein Magier bei der ein Frosch
als Bauchrednerparner herhalten durfte. Der hat sein Showprogramm
einfach seriös über die Bühne gebracht und bei dem Selbstgespräch
mit der Puppe waren doch einige echte Lacher dabei. HUSTEN
„Ich habe einen Frosch im Hals“ QUÄKENDE STIMME „Und ich
habe ne Hand im Ar…“ Hier zählt die Situationskomik. Ein
Mann mit Zylinder und dieser naseweise, total bekloppe Frosch
dabei. Wir konnten über diese Einlagen herzhaft lachen und
DIESE Art von Showeinlage sollte auf Salsafestivals Schule
machen :-)
Zu guter Letzt wurden die Lehrer vorgestellt
und diese durften mit Ihren Partnern kleine Tanzeinlagen
zum Besten geben. Der ganze Raum war mit Sitzplätzen ausgestattet
so dass die gesamte Vorführung einen Hauch von Varietee
versprühte.
Ich frage mich wirklich ob es Sinn gemacht hätte wenn man
in einer kleinen Pause kleine Snacks wie im Kino verkauft
hätte. Ich bin mir fast sicher bei halbwegs fairen Preisen
wären hier zahlreiche Abnehmer für Schokoriegel, kleine
Knabbereien und Getränke gefunden worden. Ich habe den Abend
gegen 2 Uhr viel zu früh beendet, weil es bereits am Samstag
zu sehr früher Stunde mit den Kursen weiterging und es wohl
wenig Sinn gemacht hätte bereits am erste Tage seine Kräfte
aufzubrauchen.
Ich werde Euch hier weiterhin auf dem Laufenden
halten was ich so in Münster erlebe und werde mich nun ne
Stunde schlafen legen
Liebe Salsafans. Vielleicht sollte ich meine
Seite hier mal aufgeben und das Projekt an einen gewissen
Keiji Nakazawa übergeben. Dieser japanische Herr hat seine
Kindheitserinnerungen an den 6.8.45 in einem 1500 (!) Seiten
dicken Comic Schmöker untergebracht. „Barfuss durch Hiroshima“
lautet der Titel und ich bin mir sicher der würde auch die
Reihe bekommen was Gestern im Uferlos in Münster los war.
Begonnen haben meine Partnerin und ich mit
dem Cha Cha Kurs bei Saul Aidara und da möchte ich einfach
mal mit einem offenen Brief beginnen.
Sehr geehrter Herr Aidara,
Lieber Saul,
Du machst ja wirklich einen tollen Unterricht und schaffst
es den Stoff doch recht gut zu vermitteln. Ich denke daher
mal nicht nur ich hätte mich gefreut wenn Du uns eine andere
Figur als bei der Salsa Deluxe 2009 gezeigt hättest. Die
die Du im Programm hattest kannten wir nämlich schon. :-)
Lange Rede Kurzer Sinn. Spaß gemacht hat es
und das sollte im Vordergrund stehen. Nach dem Cha Cha Kurs
begannen bei mir die lebenserhaltenden Organe der Reihe
nach zu streiken, da meine letzte Mahlzeit fast 18 Stunden
her war und ich seitdem doch einiges an Energie verbraucht
hatte. In der Bäckerei des Vertrauens wurde ich fündig und
die Tatsache, dass mich Costa während seines Bachata Kurses
persönlich begrüßt hat, hat mir einen gewissen Promi-Status
verliehen. Dadurch, daß ich derartige Kurse in letzter Zeit
als 1. Wahl besuche ist hier mein Selbstbewusstsein da auch
einmal aufzufordern eindeutig gestiegen und darf mal behaupten
dass solche Kurse da ihren Beitrag leisten. Spassfaktor
„gut“, Stoffvermittlung „sehr gut“. Allerdings ist wohl
einigen von uns das Herz in die Hose gerutscht als Costa
NACH DEM 1. LIED mit dem Spruch um die Ecke kam „Bevor wir
nun eine kleine Pause machen …..“ Costa ich bitte Dich.
Dein Bruder ist der Organisator von der Salsa Deluxe und
da könntest Du für die Familie wirklich mal ein wenig Einsatz
zeigen. Das kann doch wohl alles nicht wahr sein ;-)
Abends wurde das Showprogramm geboten und
ich habe es zum wiederholten Male geschafft keinen Zettel
mit Kugelschreiber dabei zu haben um mir ansatzweise Notizen
zu machen. Das sonst als etwas zurückhaltend bekannte westfälische
Publikum hat sich mitunter zu stehenden Ouvertüren hinreißen
lassen. Der Veranstalter hat sich (diese Mal unter Applaus)
ein weiteres Mal für unseren Freund auf Island entschuldigt
und der Mann mit dem Frosch ist aus mir unerfindlichen Gründen
nicht nocheinmal aufgetreten. Wenn ich noch eine aktuelle
Liste des Programms bekomme werde ich die gerne nachreichen
aber an dieser Stelle kann von mir leider nicht mehr berichtet
werden.
Danach ging es raus zur Pausenzigarre und
auch vor der Tür waren die Auftritte Thema Nummer 1. Allerdings
hatte man mir an der Garderobe direkt den Kleiderbügel mit
der Nummer mitgegeben was doch zu einigen Fragen geführt
hat. :-) Zur allgemeinen Info : Das Garderobenpersonal wurde
aus der münsteraner Salsaszene verpflichtet und mir waren
ALLE Mitarbeiter dort persönlich bekannt.
Nun ging es an das große Tanzflächen-Springen
und noch einmal muss ich auf Keiji Nakazawa zu sprechen
kommen. Um das zu beschreiben muss man schon gewisses Schreibtalent
mitbringen. Es war voll und in Sachen Auffordern konnte
man buchstäblich machen was man wollte. Lediglich die Cubanisch
Tanzfläche habe ich aus nahe liegenden Gründen links liegen
gelassen. Dafür aber habe ich mich doch ungewöhnlich ausgiebig
beim Bachata ausgetobt wo doch das ein oder andere Paar
eine beneidenswerte Vorstellung geboten hat. Ich habe mir
dann eine Frau geschnappt, bei der ich von vornherein gesagt
hatte, dass ich Bachata nun nicht soooo gut beherrsche und
da noch ein wenig am Experimentieren bin. An dieser Stelle
eine Dankeschön an unseren alten Haudegen „Karl Lagerfeld“
Sein komplett überbezahltes „PHOTO – Eau de toilette“ dürfte
mir da einige Türen geöffnet haben :-)
Um 3 Uhr morgens war ich mit meiner Gastsalsera
verabredet und es ging Richtung Nachtruhe und die liebe
Freunde hatte ich mehr als nötig :-)
Vollständigkeitshalber ein paar Zeilen zum
Sonntag. Es liegt natürlich in der Natur der Sache, dass
hier die Besucherzahlen und die allgemeine Stimmung in recht
überschaubaren Bahnen verlaufen.
Bei den Kursen muss ich leider den „Running
Gag“ mit dem griechischen Salat noch einmal ausbuddeln.
An dem 10 Uhr Kurs konnte ich nicht teilnehmen weil meine
Partnerin verschlafen hatte. Ach ja die Gute Frau hat es
halt nicht leicht. 2 Kinder, selbstständig und nen Salsapartner
der immer was zu maulen hat. Aber wie dem auch sei. Ich
bin dann von einer meiner Wuppertaler Bekannten gefunden
worden und wurde direkt eingespannt für „Salsa Royale´s
Follow and Lead“. Jow, das hat Euer Ralf dann einfach mal
eigenmächtig von „Follow and Lead” in „Follow and Lead“
umgewandelt wobei mein „Lead“ die englische Übersetzung
für Blei darstellen soll. In diesem Kurs habe ich NICHTS
hinbekommen und die neue Figur wurde alle 10 Min mit einer
neuen „Kleinigkeit“ bereichert. Völlig am Boden zerstört
saß ich da also und war am Überlegen ob dies nicht der richtige
Zeitpunkt ist um meine Kifferkarriere zu neuem Leben zu
erwecken. Ich habe mich dann einfach mal für den legalen
Weg entschieden und es mussten ein paar Eiskugeln dran glauben.
Am sehr späten Nachmittag wurde das Cha Cha
Programm fortgesetzt und ich hatte mit Eddi und Alex 2 ganz
alte Hasen als Lehrer. Dies war übrigens der einzige Kurs
an dem ich teilgenommen habe der nicht von den Lehrern gegeben
wurde, die im Programmheftchen angekündigt waren. Eine kleine
Soloeinlage wurde einstudiert und eine kleine Figur bei
der der Haken wie so oft im Detail lag. Ich für meinen Teil
lande beim Cha Cha immer sehr gerne aus alter Gewohnheit
im Salsaschritt. Wie dem auch sei : Ich habe wie immer alles
gegeben und hoffe dass es reicht.
Meine Abendplanung stand von vornherein fest.
Sehr früh hin – Shows anschauen und so schnell wie möglich
ins Bett. Das wurde dann halb zwei. Machen wir uns nichts
vor. Das Wochenende hatte in den Gesichtern der Veranstalter
doch sichtbare Spuren hinterlassen. Die DJs waren alles
andere als fit. Der Veranstalter konnte sich bei den Ansagen
mehr schlecht als recht auf den Beinen halten und die Leute
auf der Tanzfläche haben mitunter die allerletzten Kräfte
mobilisiert. Nach 3 Tagen Workshops und 2 durchgemachten
Nächten müssen wir hier einfach mal „Fünfe gerade sein lassen“.
Bei den Auftritten hat der Münsteraner Janis
zusammen mit seiner Düsseldorfer Partnerin für einen Achtungserfolg
gesorgt. Die beiden brauchten sich hinter den Vollblutprofis
nun wirklich nicht zu verstecken.
An dieser Stelle möchte ich mich mal bei Euch,
meiner Leserschaft, bedanken, dass ihr es bis hierher geschafft
habt. Ich werde am heutigen Montag eine gaaaanz ruhige Kugel
schieben und hoffen euch alle spätestens in einem Jahr wiederzusehen
auf der Salsa Deluxe 2011.
Ein Problem bleibt, für das ich noch keine
zufriedenstellende Lösung gefunden habe. Wie bekomme ich
blos das fantastische Parfüm meiner Gastsalsera aus meiner
Wohnung :-)
Gruss aus Münster
Ralf