Mit doch einiger Vorfreude ging es am späten Mittag mit
dem Wagen Richtung Essen. An Fahrgemeinschaften war dieses
Mal nicht zu denken, da nun wirklich jeder Münsteraner sein
eigenes Süppchen kochen musste. Die ganz frühen Workshops
am Vormittag habe ich nicht besucht. Zu groß war das Schlafbedürfnis
nach der recht gelungenen Eröffnungsparty, zu der DJ Mano
ins Café Ada (Wuppertal) geladen hatte. Gegen 15:30 sollte
der Kurs beginnen in dem Soloeinlagen in den Tänzen einstudiert
werden sollte. Den Cha Cha Kurs danach hatte ich zum Pflichtprogramm
gewählt. Da wird bei mir zur Zeit jeder Kurs mitgenommen
und ich darf behaupten dass ich beim Cha-Cha aus dem ganz
großen Anfängerdilemma draußen bin.
Sehr ungewohnt für meine Berichte möchte ich einfach mal
mit einigen Danksagungen beginnen.
Mein 1. ´Danke schön´ geht an das Land NRW für die Autobahnbaustelle
zwischen der A1 und Essen. Auf das etwas zynische ´Vielen
Dank für Ihr Verständnis´ gehe ich nach 10 Kilometern Standgas
im 1. Gang besser nicht weiter ein. Mein 2. Dank geht an
die Stadt Essen für die geschlossene Innenstadt und die
katastrophal ausgeschilderte Umleitung. Wie ich mein Ziel
erreicht habe weiß ich auch nicht mehr, aber immerhin konnte
ich den Cha-Cha Kurs noch mehr oder weniger pünktlich antreten.
Können die Latino-Lehrer nicht mal einmal zu spät kommen
wenn man es von ihnen erwartet.
Ursprünglich hatte ich vor mich vor dem Kurs um eine Partnerin
zu kümmern, die ich leider im Vorfeld nicht mobilisieren
konnte. Dort hatte ich aber das Glück eine partnerlose Frau
zu finden so dass ich an dem Kurs teilnehmen konnte. In
dem Saal war eine Bühne aufgebaut auf der die neuen Schritte
vorgeführt wurden. Es wurde nicht sofort mit der neuen Figur
begonnen, sondern ersteinmal mit Soloeinlagen um damit ein
wenig Taktgefühl zu vermitteln. Völlige Anfänger dürften
vielleicht ein paar Schweißperlen auf der Stirn gehabt haben.
Die Tanzfans, die schon den ein oder anderen Cha-Cha gewagt
hatten kamen aber mit einer nicht zu sperrigen Figur auf
ihre Kosten. Besonders erfreulich war für mich, dass man
auch Leute, die in der lokalen Szene die Kurse geben unter
den Schülern zu finden waren. Die haben dann einfach mal
das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden und den Kurs
zur Weiterbildung genutzt. Bei einem Lehrerpaar aus Übersee
sind wir halt alle gleich :-) Im Anschluss durften wir nach
einem feierlichen Gelöbnis die Aufnahmen nur privat zu nutzen
die neue Figur noch eben abfilmen.
Es war inzwischen 18 Uhr geworden und es wurde Zeit zu
Mittag(!) zu essen. Hier hat sich der Stadtgarten meiner
Meinung nach die Chance entgehen lassen, eine doch stattliche
Anzahl hungriger Salseros zu sättigen. Trotz ausdrücklicher
Nachfrage wurden nur Getränke und Kuchen angeboten. Um für
die Nacht gerüstet zu sein war das einfach nicht genug und
ich habe mich zu Fuß auf die Hauptstraße begeben in der
Hoffnung irgendwo ein Lokal zu finden. Fündig wurde ich
dann in einer Pommesbude in der auch die ein oder andere
Pizza angeboten wurde. Dort war ich nicht lange alleine
und noch weitere Kursteilnehmer gesellten sich zu mir. Der
Stadtgarten mit seiner doch sehr edlen Einrichtung wäre
da ganz eindeutig die bessere Wahl gewesen aber nun gut.
Gegen 19 Uhr ging es dann zum Stadtgarten zurück und mir
wurde dort gesagt, dass man erst gegen 21:30 geöffnet hätte.
Einer der großen Nachteile dieser Salsawochenenden ist ja
nun der chronische Schlafmangel. In meinem Vor-Salsa-Leben
war ich ja bekanntlich unter webmaster(at)chopper.de zu
erreichen und daher bin ich in Sachen ´komische Schlafplätze´
von den Motorradtreffen einiges gewohnt. Also ab in das
Hotel Nissan wo nach 2 Stunden schnarchen und träumen von
Salseras in Abendkleidern die Nacht beginnen konnte. Es
hatten wohl mehr Gäste die sprichwörtlichen Hummeln im Hintern,
so dass bereits zum Partybeginn die ein oder andere Menschentraube
vor dem Stadtgarten stand. Bis man in den Ballsaal kam wurden
2! Mal die Eintrittsarmbänder kontrolliert. Also bei allem
Respekt. Da hätte auch eine Kontrolle ausgereicht.
Der Ballsaal selber war wie es so schön geschwollen heißt
´Um jeden Zweifel erhaben´ und bereits die ersten Salsaklänge
ließen die Paare auf der Tanzfläche erscheinen. Richtig
schöner Mitteltempo Salsa wurde zu dieser Zeit geboten.
Ich habe einfach mal von meinen beiden neuen Bekanntschaften
aus der Frittenschmiede auffordern lassen, so dass die ersten
Tänze gesichert waren. Die Lieder wurden von einigen Bachatas
und Cha-Chas unterbrochen. Dave aus Münster und El Leguano
aus Belgien haben sich den DJ Job brüderlich geteilt und
gegen Mitternacht ging es in großen Schritten auf die Auftritte
zu. Hier gaben sich alte Gesichter mit neuem Elan die Ehre
und man hatte das Who is Who des Mambofestivals Wuppertal
eingeladen.
Seaon Stylist Bristol (San Francisco)
Taiti & Christel (NL)
Melissa Rosado (New York, Eddie Torres)
Monica & Mitchel (Hannover)
TC Dance Company (NL)
Während der Auftritte wurde ausgiebig Reklame für kommende
Parties gemacht. Besonders aufgefallen sind hierbei das
Festival in Twente (NL) am 7.11 und das EsCape in Münster
am 24.10.
Durch die Moderation führte uns eine weitere gute Bekannte
: Jennifer Benavidez aus den USA. Wer ist eigentlich auf
die Idee gekommen die meterhohen Kerzenständer auf die Bühne
zu stellen ? Die gaben wirklich etwas her und die Auftritte
erhielten einen etwas mystischen Anstrich. Ich hatte mir
für diese Gala ganz fest vorgenommen Melissa Rosado aufzufordern
aber da war leider gar nichts zu machen. Ich kam einfach
nicht dazwischen. Immerhin habe ich aber mit der Moderatorin
Jennifer Benavidez ein Tänzchen gewagt und hatte damit zumindest
eine Prominente Salsera auf meinem Punktekonto. Man hat
ja schließlich einen Ruf zu verteidigen. Bei den Auftritten
wurde auch Livemusik geboten. „Stand by me“ von Ben E. King
hat zwar garantiert nichts mit Salsa zu tun aber das hat
Seaon Stylist Bristol nicht davon abgehalten eine erstklassige
Coverversion auf die Bühne zu bringen. Die Vorführungen
wurden vom Publikum ausnahmslos mit Applaus beendet und
auch dieses Mal hat sich Melissa in die Herzen des Publikums
gelächelt. Wem es noch nicht aufgefallen ist : Die hat es
mir irgendwie angetan. ;-)
Gegen 3 Uhr morgens ging es völlig erschöpft Richtung Heimat.
Immerhin mussten ja noch ein paar Kräfte für den 2. Galatag
bewahrt werden.
Der Sonntag ist in wenigen Sätzen beschrieben. Den Ladystyling
Kurs bei Melissa Rosado habe ich aus naheliegenden Gründen
einfach mal nicht besucht. Dann ging es mit Seaon Stylist
Bristol weiter im Programm. Er hat bei der sehr einfachen
Figur Wert auf Ausdruck und Körperbeherrschung gelegt. Spaß
gemacht hat es auf jeden Fall. Bei der Party im Anschluss
hätten es ruhig einige Besucher mehr sein können. Immerhin
hatte Mano seinen Expressotheka Sonntag zu Gunsten der Gala
auf Eis gelegt. Bei den Auftritten wurde dann im Wesentlichen
das Programm vom Samstag wiederholt. Ein paar Leute mehr
und der Spaßfaktor wäre ungleich höher gewesen. So blieb
mir nur mit bekannten Personen das Beste daraus zu machen
und es ging recht früh ins traute Heim zurück. Immerhin
ging um 6:30 der Wecker.
Vereinzelt hat sich mal eine Partnerin über den etwas stumpfen
Parkett-Boden beschwert. Da sollte aber mit einfachen Mitteln
etwas zu machen sein. Ich für meine Person werde das Nahrungsproblem
das nächste Mal etwas professioneller angehen, da ich wirklich
damit gerechnet hatte vor Ort eine Kleinigkeit zu mir nehmen
zu können.
FAZIT :
Es ist zumindest in NRW ein Trend zu erkennen für Salsa
Partys doch recht hochkarätige, mitunter historische, Lokale
zu buchen. Zu dem Präsidenten-Schlösschen (Düsseldorf),
ADA in Wuppertal und der Villa Rico in Münster gesellt sich
seit dem Wochenende auch der Stadtgarten in Essen. Der Ballsaal
war wohl für derartige Feierlichkeiten erbaut worden und
wir sind bis zum frühen Morgen auf unsere Kosten gekommen.
Die Latin Grooves Salsa Gala wird mich mit Sicherheit wiedersehen.
Das Gesamtkonzept hat funktioniert und die Bühne würde auch
Platz für eine Live Band bieten.
Bis zum nächsten Jahr in Essen.
Alles Gute
Gruß Ralf
PS : Wir sehen uns bestimmt alle am nächsten Samstag im
EsCape in Münster wieder. Hier bietet sich durch den recht
großen Jahrmarkt an dem Wochenende die Möglichkeit Salsa
mit einem Stadtbummel und einem verkaufsoffenen Sonntag
zu verbinden.