Hallo Leserschaft.
Dann will ich mal versuchen in Worte zu fassen, was passiert
wenn das Aushängeschild der New York Stile Salseros seinen
Weg ins benachbarte Belgien findet.
Nach einer recht streßfreien aber regnerischen Anfahrt
erreichten wir überpünktlich den Sportpalast in Antwerpen.
Besorgniserregende 5 Euro ärmer und wir hatten auch einen
Parkplatz direkt neben der Festhalle ergattert. Im Eingang
war der unverzichtbare Mercendising Stand aufgebaut, der
allerdings ausschließlich DVDs und CDs angeboten hat. Ich
hätte mir gerne noch irgendwo ein gescheites Abendessen
gegönnt, aber leider ließ die Gruppe nichts anderes zu als
ne "Pommes uffe Hand" in der Halle. Selbstverständlich
zu Preisen am Rande der Schmerzgrenze aber was soll´s
Die Vorgruppe
In der Halle angekommen erhaschten wir noch recht früh
unsere Plätze an denen wir einen sehr guten Ausblick auf
die Bühne hatten. Die Instrumente waren bereits aufgebaut
und ein DJ spielte Musik, die allerdings überwiegend aus
Reggeaton bestand. Um ca. halb neun geschah etwas was ich
in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet hatte. Eine Horde
menschenähnlicher Wesen stürmte mit Mikrofonen auf die Bühne
und begann mit Playback Reggeaton. Also Live Gesang und
das Bum Bum aus den Boxen dazu. Wie verzweifelt müssen Menschen
sein wenn sie sich für eine warme Mahlzeit so zum Affen
machen. Mehr als nen Teller Suppe waren die auf keinen Fall
wert. Warum applaudieren die eigentlich nach jedem Lied
wenn dann am Ende nicht einmal eine Zugabe verlangt wird.
Das war ganz böses Kino liebe Salsafreunde und ein unverzeihlicher
Fehlgriff der Veranstalter. Wenn der DJ stattdessen noch
ne Runde Mucke aus der Dose geboten hätte wäre alles OK
gewesen.

Marc Anthony
Tja liebe Leserschaft. Nun habe ich ein Problem .... Wie
beschreibt man was passiert wenn der Freddie Mercury der
Generation Salsa seine Stimme erhebt.
Irgendwann wurde dann das Licht ausgestellt und die Instumentalmusiker
betraten die Bühne. Ein Sänger war noch nicht zu sehen,
aber der Applaus sprach für sich. Aus den Boxen ertönte
ein Aaaaaaaaaaguaaaaaaaniiiiiileeeeeeeaahheaahhhh und Marc
Anthony betrat über eine Treppe sehr langsam die Bühne.
Na klasse. Gleich das erste Lied als eine Verbeugung an
eine der viel zu früh gestorbenen Salsa Größen.
 |
Auch wenn Marc Anthony einem Hector
Lavoe stimmlich in jeder Hinsicht das Wasser reichen
kann.... Es war nach seiner Hauptrolle in dem Film
über Lavoes Leben "El Cantante" einfach
ein feiner Zug Lavoes Lieder auch live zu spielen.
da ist Aguanile sicherlich ein Beitrag, dass
als Eröffnung für ein Salsakonzert bedenkenlos gespielt
werden kann. Das Orchester auf der Bühne hat die Instumentaleinlagen
erheblich satter eingespielt als man es von dem Original
kennt.
Lange Rede kurzer Sinn : Der Saal hat gekocht...
Das 16 !!! köpfige Orchester ging nach der Eröffnung
nahtlos in Valio la Pena über. Marc Anthony
hatte inzwischen aus welchem Grund auch immer seine
Schuhe ausgezogen und sprang in Jacket und schwarzer
Hose barfuß auf der Bühne herum. Er war während des
gesamten Konzertes bemüht jede Ecke des Saales mit
Blickkontakten zu versorgen. So stand er zeitweise
auch rechts und links der Bühne und schaute zur Tribüne
hoch. Wir haben es halt neben einem Ausnahmesänger
auch noch mit einem hervorragenden Entertainer zu
tun.
Eine etwas unscheinbare Instrumentaleinlage kündigte
das nächste Lied an. Die ging allerding in der ersten
Textzeile unter. "De repente te da por volverme
a buscar" verstehen auch die Leute die nicht
fließend spanisch sprechen
se te olvido decirme adios – Du hast
vergessen dich zu verabschieden
y hubo alguien – Und es gab jemanden
alguien que lleno mis dias – jemanden
der meine Tage erfüllte
y lleno mis noches – und meine Nächte
erfüllte
con una nueva ilusion – mit einer
neuen Illusion
|
Y hubo alguien darf wohl als erster echter Gassenhauer
des abends bezeichnet werden. Wer von Euch die Live im Madison
Square Garden DVD von Marc Anthony kennt weiß, dass dieses
Lied live erheblich schneller gespielt wird als die Studio
Version.
Mit Haster ayer gönnte man sich dann einen kleinen
Ausflug in die nicht Salsawelt und die Möglichkeit für die
Künstler auf der Bühne mal ein wenig durchzuatmen. Um den
Text zu verstehen reicht mein Spanisch bei weitem nicht
aus. Nettes Lied in perfekter Livequalität auf die Bühne
gebracht.
Que precio tiene el cielo ist ein Lied, dass
auf der Studio CD nicht weiter auffällt. Nach dieser Livedarbietung
allerdings ein Salsastück mit dem man sich mal näher beschäftigen
sollte .. Ich habe mir die Studioversion seitdem einige
Male angehört

Zu Te conozco bien, Ahora quien und Nadie
como ella muss nichts weiter gesagt werden. Diese Lieder
werden nicht interpretiert sondern zelebriert. Das von der
LIVE DVD bekannte sehr lange Instrumental Solo wurde auch
hier gespielt, so dass alleine Nadie auf geschätzte 10 min
aufgebläht wurde. Einfach nur genial. Leider wurden dazwischen
2 Lieder gespielt, die ich zwar kannte, deren Namen mir
allerdings entfallen sind. Peinlich Peinlich.
Mit Me gente kam dann das 2. Lied von Hector Lavoe.
Daß ein Salsakünstler, der inzwischen selber in der ersten
Liga spielt auf diese Art seinen großen Vorbildern dankt
kann nur mit dem Zusammenhalt innerhalb der Szene erklärt
werden.
I need to know waren dann die einzigen englischen
Klänge aus der Zeit als Marc Anthony sich mit Popmusik versucht
hat. Allerdings sollte nicht vergessen werden, das wir es
bei diesem Lied doch mit tanzbarem Cha Cha zu tun haben.
WO HAT DIESER MENSCH DAS ORGAN HER ???? Bei mir zumindest
ist während des Konzertes mehrfach das passiert wo normalerweise
eine Mariah Carey seit Jahren ein Monopol drauf hat ..
Gänsehaut bis zu den Fersen.
Als Zugabe kam Tu Amor me hace bien und das Licht
im Saal wurde für meinen Geschmack etwas arg schnell angestellt
aber nun gut.
Fazit :
Was soll ich noch groß sagen ??? Marc Anthony kommt viel
zu selten nach Europa und hier wurde er den Ansprüchen die
er an sich selber stellt garantiert gerecht. An das ein
oder andere Tänzchen war nicht zu denken, da es einfach
zu voll war. IM SPORTPALAST ANTWERPEN !!!!! der sich vor
5 stelligen Besucherzahlen nicht bange macht. Das Konzert
dauerte ca. 2.5 Stunden und die Musiker auf der Bühne haben
in jeder Minute alles gegeben. Die von vielen erwartete
Textzeile : „Yo, soy el cantante - Que hoy han venido a
escuchar - Lo mejor, del repertorio - A ustedes voy a brindar“
wurde nicht gesungen. Dies mag rechtliche Gründe gehabt
haben. Das Lied ist nicht von ihm sondern ebenfalls von
Hector Lavoe. Das Publikum wurde während des Konzertes in
eine andere Welt geführt und kommende Salsaorchester werden
ihre Probleme haben uns diesen Abend vergessen zu lassen.
Immer noch leicht benommene Grüße aus Münster
Ralf
Hier ein 1,1 MB kleines 3 Sek Filmchen,
das einen Blick auf das Publikum zeigt.
(Die Fotos und der Film sind mir freundlicherweise vom
Team www.overcoming.de zur Verfügung gestellt worden. Wird
höchste Zeit dass ich mir mal ne neue Kamera besorge.
Vielen Dank dafür)