Es hat doch alles ganz harmlos angefangen.

Gegen 16 Uhr hatte ich mich auf den Weg gemacht um mal zu schauen ob schon einige Leute zum Uferlos gefunden hatten. In der Lokalität angekommen konnte der Unterricht auf den immerhin 4 ! Tanzflächen nicht pünktlich beginnen, da die Schlange an der Kasse erst hineingelassen werden musste. Meinen Plan sofort wieder nach Hause zu fahren habe ich dann einfach mal über Bord geworfen und bin direkt dort geblieben. Die beiden Binden, die mir um das Handgelenk gebunden wurden gaben mir das gute denglische „Access all areas“ Gefühl und ich musste mich recht kurzfristig entscheiden an welchem Kurs ich nun teilnehmen wollte.

Immer diese spontanen Aktionen.

Ganz bewusst habe ich mich für Unterricht entschieden, der von Lehrern gegeben wurden die mir noch nicht bekannt waren. Meine Wahl fiel auf Anne und Anichi, die als New York Stiler angekündigt waren. An dieser Stelle ein „Dankeschön“ an die mir vorher unbekannte Hannoveraner !! Salsera, die sich spontan bereit erklärt hat mit mir den Kurs zu machen. Direkt am Anfang kam der Veranstalter auf die Bühne und gab bekannt, dass man sich bei der Planung wohl ein wenig verkalkuliert hätte und der Kurs um 21 Uhr noch einmal wiederholt wird. Es möchten doch bitte einige Leute den 2. Termin wahrnehmen. Ein sehr gutes Zeichen für das doch recht herzliche Verhältnis zwischen Lehrer und Festivalleitung, woraus sicherlich auch wir Schüler unsere Vorteile ziehen konnten. Es wurde eine Figur aus 4 Teilen unterrichtet die absolut sauber vermittelt wurde und am Ende bereitwillig gefilmt werden durfte. Unterricht bei Anne und Anichi also gerne wieder.

Mein Wunsch bei den Workshops mal neues Terrain zu betreten gipfelte eine Stunde später bei „Pedro“ in einem Cuban Stile Kurs. Mit kubanisch darf ich mich nach Jahren New York etwas schwer tun und ich habe den Kurs mehr recht als schlecht über die Bühne gebracht. Mit sehr großem Interesse habe ich aber den folgenden Rueda de Casino Lehrgang mitgemacht. Hier sollte der Spaß an der Sache im Vordergrund stehen und nicht das Erlernen von großartigen Figuren. Den Spaß haben wir auf jeden Fall gehabt also auch hierfür „Volle Punktzahl“

Egal was da noch für Kurse geboten wurden. Vor der großen Sause sollte ich vielleicht noch etwas essen und (räusper) duschen. Beides war noch nicht geschehen, da ich ja eigentlich gar nicht so lange bleiben wollte. Also ohne Bodenkontakt nach Hause und unter der Dusche beim Zähne putzen einen Eimer Nudeln gefuttert.

Gegen 21:30 ging es nach dem kleinen Mampf-Dusch-Intermezzo wieder in das Uferlos wo Juan Pa gerade seine Schnupperstunde gegeben hat. Unter dem Motto „Dabeisein ist alles“ habe ich einfach mal mitgemacht. Mit der Bemerkung „Mit meiner Freundin mußt Du aber auch noch tanzen“ hatte ich dann auf einmal 2 Partnerinnen. Es ist wirklich nicht zu fassen wie bereitwillig Frauen den Partner teilen können wenn es darauf ankommt. Hier wäre eine vergleichbare Toleranz auch in anderen Lebenslagen wünschenswert aber das nur am Rande.

Mit leichter Verspätung begannen die Showeinlagen des Abends, was ich einfach mal auf die Besucherzahlen schieben möchte. Sowohl an der Kasse als auch an der Garderobe wurde stundenlang übermenschliches geleistet und man war versucht den Ansturm unter Kontrolle zu bekommen. Bei den Vorführungen möchte ich es mal bei einem einfach Aufzählen belassen ohne eine Wertung für einzelne Einlagen zu geben.

- Kerstin Uhling und Cäsar Sanchez aus Hamburg
- Rudolph und Lilly aus den Niederlanden (Meine lieben Leserinnen : In solchen Kleidern möchten wir euch sehen :-) )
- Kathrin und Daniel de Souza aus Hannover (Kein Paartanz sondern eine Choreographie)
- Fadi und Annika aus den Niederlanden
- Sabine und Patrick aus Rotterdamm (Cha Cha dann sehr schneller Salsa)
- Brian und Mechteld aus den Niederlanden
- Anna und Anichi aus Freiburg (ich erinnere an den Kurs den die beiden gegeben haben)
- Fadi aus Madrid (Solo ohne Partnerin)

Zwischen den Shows wurden noch Freikarten für die kommenden Salsafestivals verlost. Es darf also von hochwertigen Preisen gesprochen werden. Moderiert wurden die Darbietungen von Julia (Hannover) und Max (Münster). Besonders unsere Gastmoderatorin aus Niedersachsen hat ähnliche Jobs bereits häufiger erledigt und beide zusammen haben im Team einen doch recht professionellen Eindruck hinterlassen. Mir hat lediglich die Akustik in dem Raum nicht gefallen, aber das kann an dem etwas ungünstigen Platz gelegen haben den ich da erobert hatte. Man muss wirklich von erobert reden, denn auch hier haben die Besucherzahlen der doch recht sauberen Organisation einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Hintergrund war eine Leinwand auf der die Flyer der kommenden Parties als DIA Show gezeigt wurden. Wenn die technischen Möglichkeiten vorhanden sind wäre es vielleicht eine Überlegung bei der nächsten Salsa Deluxe Party auf dieser Leinwand die Vorführungen zu übertragen.

Nach den Shows, die weitab von der Party in einem separaten Raum stattgefunden haben, musste ich an die frische Luft, da der Sauerstoff von der Menschenmasse doch recht schnell aufgebraucht war. Gegen halb eins hieß das Motto also „Jacke an und nichts wie raus hier“ Draußen hat mich dann eine unerwartet milde Nacht erwartet und es machten noch mehr Gäste das was IM GESAMTEN UFERLOS nicht erlaubt war.... Rauchen. Nach der Zigarre hatte ich eigentlich erwartet, dass es mal etwas leerer wird wie es normalerweise zu dieser Stunde üblich ist. KEINE CHANCE !! Selbst die Verkaufsstände, die noch Tanzkleidung, DVDs und Cocktails angeboten hatten verursachten noch reges Interesse.

In Sachen „Auswahl auf der Tanzfläche“ sind nun wirklich keine Wünsche offen geblieben. Auffordern – Auffordern lassen. Egal „Erlaubt ist was gefällt“ Ich weiß gar nicht was die Fußballer immer gegen die Niederländer haben. Beim Salsa überlassen die uns sogar bereitwillig ihre Frauen und alles läuft friedlich ab. Irgendwann war dann mein Hemd das 2. Mal nass und ich musste wieder nach draußen. DJ Dave hatte sich gerade ganz Multikulti auf Englisch bei den Gästen bedankt als er von Mano abgelöst wurde. Mano begann dann mit (ungewohnt für ihn) sehr schneller Salsa Musik, so dass mich meine Entscheidung die 2. Zigarre auch noch zu rauchen wieder nach draußen führte. Das alles geschah zu einer Uhrzeit, zu der man normalerweise nach einer Salsa Party im Bett liegt. Um es kurz zu machen : Ich war gegen 4:30 zu Hause.

Hoffen wir also mal dass die Veranstalter im kommenden Jahr das Selbstbewusstsein aufbringen das MINI aus dem Namen zu streichen und es als das zu bezeichnen was es ist : Ein Festival wie es sich für eine 300´000 Einwohner Stadt gehört

FAZIT :

Auch auf die Gefahr hin es als Münsteraner in Sachen Lokalpatriotismus auf die Spitze zu treiben darf ich hier wohl von einer mehr als nur gelungenen Veranstaltung reden. Münster hat sich an diesem Abend eine Party gegönnt, die hoffentlich in den kommenden Wochen noch von der Mundpropaganda der Besucher zehren kann. Aus meinem inzwischen etwas abgegriffenen „Jederzeit wieder“ mache ich dieses Mal ein „Absoluter Pflichttermin“ für 2009.

In diesem Sinne einen Gruß aus der Expressotheka in Wuppertal in der dieser Artikel verfasst wurde

Ralf